5. Sonntag der Osterzeit A                                                             10.5.2020

(Muttertag)

 

Glaube gibt Sicherheit

Der heutige Bibeltext stammt aus den Abschiedsreden bei Johannes. In diesen Reden werden Themen aufgegriffen, die für die Jünger wichtig sind, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist. Einige solcher Elemente haben wir in den letzten Wochen bereits betrachtet.

Heute geht es um ein Thema, das auch zum Muttertag gut passt, wenn Jesus zu seinen Jüngern sagt: „Eurer Herz lasse sich nicht verwirren, glaubt an Gott, glaubt an mich!“

Sicherheit und Orientierung zu haben und zu geben, ist für die Entwicklung eines jeden Menschen von besonderer Bedeutung, vor allem für Kinder. Es ist eine schöne Aufgabe für Mütter und Eltern, aber auch für eine Gesellschaft, nicht zu verwirren, sondern den aufrechten und ehrlichen Weg im Leben zu gehen und zu vermitteln. Wer sich selbst nicht sicher ist, wer keinen Halt im Leben hat, kann auch nur schwer Sicherheit vermitteln.

Hinter der Aufforderung und Ermutigung zu glauben, steht die Sorge, dass es immer wieder Situationen gibt, die verwirrend sind. Wir fragen uns: Was ist richtig? Was ist falsch? Sollen wir, … hätte ich doch, …Derartige Unsicherheiten können quälen und bohren.

Da braucht es Halt und das Gefühl von Heimat und Sicherheit. Das können glaubwürdige und gläubige Menschen und Gemeinschaften vermitteln. Auch für Jesus selbst war es nicht immer einfach, die Botschaft des Evangeliums so zu verkünden, sodass die Menschen glauben und vertrauen konnten. Aus seinem Glauben heraus und der Verbindung zum Vater hat er immer wieder die Kraft geschöpft, den Weg weiter zu gehen und Menschen zu ermutigen, ihm auf diesem Weg zu folgen.

Glaube fordert heraus

Thomas und die Jünger haben selbst erlebt, wie Jesus abgelehnt wurde, und dass man schlecht über ihn redete. Als Lügner, Fresser und Säufer, ja sogar als Freund der Zöllner und Dirnen und als Gotteslästerer wurde er hingestellt und in Verruf gebracht. Es war für die Jünger nicht immer einfach, an Jesus zu glauben, ihm zu vertrauen und seine Botschaft zu verkünden. Glauben ist immer auch eine Konfrontation des eigenen Weges mit dem Weg Jesu. Für viele war Jesus nur so etwas wie ein Prophet, der begleitet und Hinweise gibt, aber nicht mehr. Damit hält man sich die Botschaft Jesu vom Glauben an die Auferstehung, mit all ihren Anforderungen, ein Stück auf Distanz. Man kann sich letztlich den Glauben so richten, wie man es selbst will. Der Glaube hat sich nach mir und meinen Bedürfnissen zu richten und diese zu befriedigen, das ist vielfach der heutige Zugang zu Religiosität. Der Weg scheint schon das Ziel zu sein. Glaube darf und soll aber auch herausfordern. Jede Herausforderung bringt uns weiter, beruflich, sportlich und auch religiös. Wenn wir diese nicht annehmen, treten wir auf der Stelle. Der Weg Jesu ist einer, der für die Menschen das Heil will und sie auf diesem Weg des Friedens und des Glaubens an Gott auch stärkt. Der Weg lebt vom Ziel, aber der Weg ist nicht das Ziel. Die Motivation, einen bestimmten Weg zu gehen, lebt von der Vorstellung, dass es das Ziel wert ist, diesen Weg zu gehen. Der Weg führt zum Vater sagt Jesus, und wer ihn kennt, kennt auch den Vater.

Glaube bringt Werke hervor

Im heutigen Evangelium ermutigt Jesus seine Jünger, auf das Leben Jesu zu schauen. Ihr Weg soll der Weg Jesu sein, und ihre Werke sollen die großen Werke Jesu widerspiegeln, ja sie sogar übertreffen. Es geht nicht um schöne Reden über den Glauben, sondern um die Werke, die aufgrund des Glaubens geschehen, wie zum Beispiel die Werke der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe. Jesus lehrt nicht nur, er lebt den Glauben und handelt entsprechend. An den Werken kann man sein Wirken erkennen. Wie Menschen handeln ist wichtiger, als die Worte, die sie sprechen.

Das liebende und mütterliche Dasein, wie es uns Jesus vorgelebt hat, ist über alles zu schätzen und nachzuahmen. Schrittweise haben die Jünger erfahren, dass Glaube Halt gibt und nicht verwirrt. Mögen unsere Werke auch solche sein, die aufbauen und nicht ausbeuten, die nicht verwirren, sondern Sicherheit geben. Menschen, die auf diese Art und Weise ihren Glauben leben und dadurch gute Werkt tun, gebührt ein liebendes und aufrichtiges „Danke“, heute besonders den Müttern.

 

Hans Hintermaier