Gründonnerstag 2020

 

Gründonnerstag – vielschichtig wie das Lebens

 

An diesem Abend hat sich im Leben Jesu sehr viel ereignet. Die Evangelien berichten auch sehr unterschiedlich von diesen dramatischen Ereignissen wenige Tage nach dem triumphalen Empfang am Palmsonntag. Jesus feiert in aller Stille mit den Jüngern das Abendmahl, das an die Rettung Israels aus der Gefangenschaft Ägyptens erinnert. Es ist mit dieser Feier Dankbarkeit und Hoffnung verbunden. Dieses Mahl Jesu mit seinen Jüngern ist zudem die Grundlage für die bleibende Gegenwart Jesu in der Eucharistie, ja die Einsetzung der Eucharistie.

Das Johannesevangelium berichtet uns, dass Jesus bei diesem Mahl den Jüngern auch die Füße gewaschen hat. Diesen einfachen Dienst Jesu sollen seine Jünger weiterführen – und nun auch wir. Zudem war es ein besonderes Zeichen der Wertschätzung, wenn der Gastgeber den Gästen persönlich die Füße gewaschen hat, nachdem sie durch Staub und Wüste gegangen sind, und sich zum Mahl niederließen. Diese Geste drückt eine christliche Grundhaltung aus, dass jeder Mensch, egal in welcher Situation oder Position er ist, auf das Dienen nicht vergessen darf.

Es ist auch der Abend, an dem Jesus nach dem Mahl mit den Jüngern zum Ölberg in den Garten Getsemani ging. Mit einem Kuss gibt Judas den Soldaten das Zeichen, wer Jesus ist, damit sie ihn festnehmen und abführen konnten. Das Zeichen der Liebe wird konterkariert.

Jesus und die Jünger am Ölberg

Ich möchte auf die Szene am Ölberg und die Gefühlslage Jesu etwas näher eingehen.

Jesus zieht sich nicht alleine dorthin zurück, sondern es sind Petrus, Jakobus und Johannes dabei. Diese drei waren auch schon am Berg Tabor mit Jesus unterwegs. Dort haben sie bei der Verklärung den strahlenden Jesus gesehen und eine Ahnung von seiner Bestimmung bekommen, dass er das bleibende Licht in dieser Welt sein wird. Am Ölberg und am Karfreitag scheint dieses Licht aber zum Erlöschen zu kommen. Es spielen sich in diesen Stunden am Ölberg dramatische Szenen ab, und Jesus ist zutiefst bewegt. Die Bibel sagt sogar, dass er Blut geschwitzt hat.

Alles der Reihe nach.

Jesus ist von Furch und Angst ergriffen

Diese Aussage überlesen wir gern. Mit Angst und Furcht umzugehen ist nicht einfach. Man ist meistens froh, wenn man aus solchen Situationen wieder herauskommt oder sie ein Ende finden. Angst und Furcht mit jemanden auszuhalten, ohne eine einfache Lösung parat zu haben, das sind Ölbergstunden. Wir ging es da Jesus? Seine Seele war zu Tode betrübt. Was sich da in seinem Innersten abgespielt hat, können wir nur schwer erahnen. Alle Last der Ablehnung durch die Menschen und die Angst vor dem, was auf ihn zukommt, fällt über ihn her und scheint ihn zu erdrücken. Er wäre ja nicht allein, die drei Jünger sind da, aber sie schlafen. In der größten Not ist er doch allein. Was tun, wohin sich wenden, wenn sich alle abwenden? In dieser Situation findet er Halt, bei dem, der ihn auch bisher gehalten hat, bei seinem Vater im Himmel. Jesus hat sich während seiner Verkündigung schon immer wieder zum Gebet zurückgezogen, und so tut er es auch am Ölberg. „Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen“, betet Jesus. Er hat Angst, vor dem was kommen wird, er weiß aber auch, dass er vor dieser Zukunft nicht fliehen und davonlaufen kann. Er hat gesagt, dass er die Liebe ist und Liebe flieht nicht. Ich bin da für euch und ich bleibe da für euch, das lebt Jesus mit allen Konsequenzen.

In dieser Stunde hätte er sich die Gebetsunterstützung der Jünger gewünscht, drei Mal fordert er sie auf, mit ihm zu beten, aber sie schlafen! Es hilft nichts, sie schlafen.

Jesus erfährt Hilfe

„Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir“. So beginnt Jesus nach dem Lukasevangelium zu beten. Sein Beten ist oft auch unser Beten: Nimm dieses oder jenes weg von mir oder von uns! Warum auch das noch?“… Auch wir haben manche Ziele und Wünsche im Kopf, um die wir beten. Unser Horizont ist aber immer auch ein begrenzter und das Beten ist kein Anhäufen von Bitten, es ist vertrauensvolle Hingabe an Gott. Auch Jesus ordnet seinen Willen dem Willen des Vaters unter. Das wird nicht einfach sein, aber nur so kann er bis zum Letzten zeigen, dass er in der Liebe Gottes gehalten ist, auch in den Stunden der Einsamkeit, der Traurigkeit, der Verlassenheit, der Kreuzigung. Er weiß und lebt danach: der Wille Gottes führt zum Heil, zur Auferstehung. Der Wille Gottes ist sein Wille. Der Gründonnerstag und der Karfreitag zeigen uns, dass auch Not und Leid zum Leben gehören und dass Jesus sich davon sehr wohl berühren lässt. Es wird nicht einfach weggenommen, sondern wir sind darin begleitet und geführt. Auch Jesus kommt in diesem Moment ein Engel zu Hilfe und stärkte ihn. Auf diese Hilfe dürfen auch wir immer wieder hoffen, nicht, dass er alles ändert, sondern bei uns ist.

Jesus ist bei uns

Das Abendmahl ist das Mahl des Dankes (Eucharistie heißt Danksagung), weil es zum Ausdruck bringt, dass Jesus nicht nur als Idee, sondern mit Fleisch und Blut in unserer Mitte Gegenwärtig ist.

Wenn wir am Gründonnerstag zuhause Ölbergandacht feiern oder dem Wort Jesu folgen: „Wachet und Betet“, dann dürfen wir bittend und dankend unsere Zukunft in die Hand Gottes legen. Dürfen danken und bitten, dass seine eucharistische Gegenwart immer Quelle und Höhepunkt unseres christlichen Lebens sein möge.

 

 

Johann Hintermaier