Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!

 

Jesus – unsere Mitte

Das ist die Kernbotschaft von Ostern. Es gibt Auferstehung und sie ist nicht verschoben oder abgesagt, wie es unser Bischof am Palmsonntag so treffend formuliert hat: Ostern ist nicht abgesagt, aber wir feiern es unter anderen Vorzeichen und unter anderen Umständen. Wir feiern es auch mit neuen oder zerbrochenen Perspektiven, mit Enttäuschung und Hoffnung. Auferstehung kann nicht verhindert werden. Das haben zur Zeit Jesu schon viele versucht, aber sie sind letztlich gescheitert, auch wenn die „Teilerfolge“ schmerzlich und furchtbar waren.

In der Osternacht gehen wir mit nur einer Kerze, mit nur einem Licht in die dunkle Kirche, wo normalerweise die Menschen versammelt sind. Es ist nicht irgendein Licht, nicht irgendeine Kerze, es ist die Osterkerze, es ist das Licht, das Jesus selbst symbolisiert.

Das Große daran ist, dass das Licht zu uns kommt, und es vor der Dunkelheit nicht flieht, sondern in die Dunkelheit hineingeht und diese erleuchtet. Jesus ist zu den Menschen gegangen und hat Licht gebracht, bringt Licht. Ostern ist das Fest, an dem Gott die Gemeinschaft mit seinem Volk zum Ausdruck bringt. Trotz Kreuzigung ist und bleibt er da. Die Zeugen und Zeuginnen am Grab Jesu sind zunächst von der Botschaft des Engels verstört und verunsichert. Der „ich bin da“ ist nicht zu vertreiben oder zu vernichten, er zeigt sich uns immer wieder neu. Der Evangelist Lukas betont besonders, dass mit dem Glauben an Jesus eine besondere Freude verbunden ist. Die Menschen freuten sich, als sie den Auferstanden sehen. Dafür dürfen wir dankbar sein und uns freuen. Wir besingen das mit dem besonderen Gesang des exsultet: frohlocket!

Wir versammeln uns um die Mitte – miteinander

Dieses Licht und der Gesang bringen die Freude zum Ausdruck, die Menschen von jeher verspürten, wenn sie dankbar auf die Hilfe Gottes in ihrem Leben schauten.

Viele werden über Rundfunk und Fernsehen verschiedenen Feiern beiwohnen, andere werden im Familienkreis feiern oder auch alleine sein. Das gehen durch die Tage, die von Höhen und Tiefen, von Hell und Dunkel, von Begegnung und Alleinsein, von Tod und Leben geprägt waren, münden in das Lob der Gegenwart Jesu und die Botschaft der Auferstehung. Jeder einzelne Tag der Karwoche ist dabei wichtig, ist Teil des Lebens, das wir leben – in Gemeinschaft, in Beziehung, persönlich.

Neue Gemeinschafterfahrungen

Wir erfahren heuer, dass dieses Fest nicht wie bisher gefeiert werden kann. Viele mussten bereits ihre Geburtstagsfeiern, ihre Jubiläen oder persönlichen Feiern absagen. Manches kann man verschieben, aber nicht alles. Einen runden Geburtstag kann ich nicht in einem Jahr „nachfeiern“. Das Fest braucht die Gemeinschaft. Ich kann zwar alleine essen, den Tisch feierlich decken, etwas Besonderes trinken, aber ein Fest ist es deshalb noch nicht. Da fehlen die Menschen, mit denen man die Freude teilen möchte.

Die Kinder werden heuer auf manches Osternesterl verzichten müssen und nicht alle geplanten Geschenke konnten besorgt oder überbracht werden. Mancher Ostergruß kommt heuer per Post. Familienangehörige können nicht kommen oder besucht werden. Ostern ist aber nicht abgesagt! Viele werden sich besonders bemühen, Ostern heuer so zu gestalten, dass die Freude nicht zu kurz kommt. Freude zu schenken, ist Leben zu schenken.

Der Gemeinschaftsentzug ist für viele Judengliche eine echte Herausforderung. Nicht fortgehen zu können; keine Festl und Partys, das ist hart. Vielleicht gelingt es auch ihnen, die guten Dimensionen von Freundschaft und Liebe zu erschließen und dabei auch mitzudenken, dass nicht alles in unsere Hand ist. Die Bedeutung Gottes, der kreativ und nicht destruktiv mit der Weilt umgeht, ist Gabe und Aufgabe zugleich und hat Bedeutung für unser Leben und unsere Zukunft.

Die Seelsorge wurde nicht abgesagt, sondern die Sorge und Betreuung änderte sich. Viele neue Angebote und Möglichkeiten wurden geschaffen, viele wurde geleistet und initiiert, viele Ideen geboren, viele Engagement bereichert diese Tage – Danke!

Frohe und gesegnete Ostern

Mögen die Bemühungen und Sorgen durch das Osterlicht erleuchtet werden und neue Kraft und Hoffnung verbreiten. Christus das Licht möge unser Leben erleuchten. Das Licht von Ostern möge auch und besonders heuer in unseren Herzen und auf unseren Gesichtern leuchten, damit wir die Freude der Auferstehung und die Freude am Leben immer deutlicher spüren und ausstrahlen. Christen dürfen fröhlich sein!

Ich wünsche euch in diesem Jahr Online ein gesegnetes Osterfest. Ich merke aber an vielen Rückmeldungen, dass wir sehr wohl verbunden sind!

 

Frohe Ostern!

 

Hans Hintermaier