Palmsonntag 2020

 

Hosanna – so riefen die Menschen Jesus zu, als er nach Jerusalem einzog

Hosanna – so singen (normalerweise) auch wir bei der Palmprozession

 

Der Palmsonntag gehört zu den bunten und schönen Gottesdiensten im Lauf des Jahres, und es ist sehr schade, dass auch diese Feier heuer ausfallen muss. Was geschah damals, zur Zeit Jesu? Was feiern wir?

Jesus zieht nach Jerusalem ein

Bevor Jesus zum Paschafest nach Jerusalem geht, haben die Evangelien schon angedeutet, dass Jerusalem für Jesus ein gefährlicher Ort ist, weil man ihm dort nach dem Leben trachte. Er geht trotzdem hin, mehr noch, er zieht mit großem Aufsehen in die Stadt ein. Er versteckt sich nicht und sein Kommen bleibt nicht geheim. Ganz im Gegenteil, er erregt großes Aufsehen, denn er will in Jerusalem etwas bewegen. Das spüren die Leute, das bekommt aber auch er von seinen Gegnern zu spüren. Jesus ist die Zukunft nicht egal ist. Er lässt die Dinge nicht einfach so weiterlaufen wie bisher, er mischt sich ein und will eine religiöse Erneuerung und Besinnung auf das Wesentliche. Da freuen sich viele und begleiten Jesus auf seinem Weg, der Hoffnung und Erneuerung verheißt.

Der König reitet auf einem Esel – Hosanna!

Der Esel hat bei uns einen schlechten Ruf. Wenn ich zu jemandem sage: „Du Esel“, dann ist das keine besondere Auszeichnung. In der antiken und biblischen Tradition hat der Esel aber auch andere Bedeutungen. Er ist das Lasttier, das auch auf schwierigen Gebirgswegen gehen kann, besser als ein Pferd oder Kamel. Mit dem Esel ist angedeutet, dass der Weg Jesu ein schwieriger sein wird.

Anders als Pferd und Kamel, die Luxus, Krieg oder Hochmut symbolisieren, steht der Esel auch für Einfachheit, Frieden und Weisheit (das erfährt der Prophet Bileam). Der Prophet Sacharja spricht davon, dass der Messias als Friedensfürst auf einem Esel kommen wird. Es erfüllt sich also beim Einzug Jesu die Verheißung, dass allen Menschen durch das Kommen des Messias, durch das Kommen Jesu, Frieden gebracht wird. Jedes kriegerische Element fehlt beim Auftreten Jesu. Auf ihm ruhen die Hoffnungen auf einen Neuanfang in Frieden. Bei der Geburt hat Lukas das schon deutlich ausgesprochen: „Friede den Menschen, die guten Willens sind.“ Das Hosanna des Palmsonntags nimmt das Gloria von Weihnachten auf und bringt es zur Vollendung. Die Menschen guten Willens braucht es heute genauso gut wie damals. Menschen die mit Jesu gehen und vor Freude singen:

Hosanna dem Sohn Davids!

Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe.

Palmzweige und Palmbuschen

Der Palmsonntag ist der Tag, wo wir uns über das Kommen Jesu freuen und singen.

Heuer ist es uns nicht möglich, die Palmprozessionen zu halten, und damit fehlen auch die freudigen Gesichter der Kinder, die Spielereinen mit den Palmzweigen und das gemeinsame Singen und Beten.

Es gibt aber fast überall die Möglichkeit, sich in der Kirche oder an anderen Orten einen kleinen Palmzweig zu holen, dazu Weihwasser und ein Gebet. Jesus ist in Jerusalem eingezogen. Mit den Symbolen, die wir mit nach Hause nehmen, lassen wir Jesus auch ein Stück zu uns kommen, zu uns persönlich, zu unseren Familien, in unsere Häuser und Wohnungen. Man könnte einen Platz bereiten, wo der Palmzweig aufgestellt wird und auch Symbole für die Tage der Karwoche ihren Platz finden. Die Palmzweige stehen für den aufblühenden Frühling. Ich frage mich in diesen Tagen der besonderen Arbeit, des Studierens und Schreibens, der Ruhe und der Stille, der Einsamkeit und des Nachdenkens auch manchmal, was kann oder soll bei mir aufblühen? Was kann bei jedem von uns wieder oder neu aufblühen?

Palmsonntag – Tag des Segens

Segen bedeutet Leben. Wo kein Segen auf Arbeit oder Beziehung liegt, da verkommt alles. Segen bedeutet Leben. Das Kommen und die Botschaft Jesu brachte neues Leben und ist ein Segen für die Welt. Segnen ist kein Zauber, sondern Ausdruck eines besonderen Vertrauens auf Gott. Segen bedeutet für uns, die Dinge des Lebens recht zu gebrauchen und mit den Menschen gut, wertschätzend und liebevoll umzugehen. Gerade der Palmsonntag eignet sich dazu, zuhause zu segnen und einander zum Segen werden. Ich kann leider nicht mit euch feiern und segnend auf euch und die geschmückten Palmbuschen zugehen, aber ihr könnt das übernehmen – zuhause, vielleicht auch angeregt oder beim Mitfeiern über Radio oder Fernsehen. Bei einer kleinen Feier im Familienkreis oder allein leben wir Hauskirche, wie es auch die ersten Christen gemacht haben. Sie haben zuhause miteinander gebetet und sind im Glauben gestärkt worden.

Segnet einander oder euch selbst mit einem Kreuz auf die Stirn und mit Weiwasser, segnet das Essen, das nicht selbstverständlich ist, segnet die Kinder, die euch lieben und die ihr liebt, und lasst euch von ihnen segnen, segnet die alten Menschen und besonders auch jene, die wir nicht besuchen können. Segnet, was euch wichtig und wertvoll ist.

So wie Jesus in die Stadt Jerusalem eingezogen ist, so möge er in unsere Gemeinden, Häuser, Familien, in unser Leben und Arbeiten, in unsere Herzen in unser Denken einziehen und mögen wir ihn mit Freude und Jubel aufnehmen. Die Zweige und Buschen mögen diese Erinnerung lange Zeit aufrecht erhalten und uns immer wieder an den Segen Gottes erinnern.

Einen schönen Palmsonntag!

 

Johann Hintermaier