Scherben zusammenlesen

·         Wie gehe ich damit um, wenn durch mein Handeln etwas in die Brüche geht?

·         Welche Scherben kehre ich unter den Teppich?

·         Welche Risse repariere und kaschiere ich notdürftig?

·         Welche Bruchstücke entsorge ich an welcher Stelle?

·         Kann ich mir selbst, anderen Menschen oder Gott gegenüber eingestehen, dass mir etwas Wertvolles zu Bruch gegangen ist?

 

 

Zerbrechlichkeit des Lebens

·         Wie führe ich Auseinandersetzungen mit anderen Menschen?

·         Über welche anderen Menschen halte ich ein Gericht?

·         Wie helfe ich gebrochenen Menschen zu neuem Leben auf?

·         Kann ich zu meiner eigenen Zerbrechlichkeit stehen angesichts einer Welt, die auf Perfektion und glatt polierte Oberfläche setzt?

·         Was hilft mir, meine eigene Zerbrechlichkeit als etwas Wertvolles zu begreifen?

 

 

Von Gott heilen und veredeln lassen

·         Mit wem will ich mich versöhnen?

·         Wie sieht der erste Schritt dazu aus?

·         Welche Scherben möchte ich loswerden?

·         Was möchte ich Gott hinhalten, damit er es heilt?

·         Wo möchte ich mein Leben verändern?

 

 

 

Bußgedanken zur Fastenzeit

 

Liebe Gläubige,

vielleicht ist Ihnen das auch schon einmal passiert: Einmal kurz nicht aufgepasst, eine ungeschickte Bewegung – und klirr! Da ist der Teller aus der Hand gefallen und in tausend Scherben zerbrochen. Das kann passieren. Ein Gebrauchsgegenstand, der schnell zu ersetzen ist. Schwieriger wird es, wenn es sich bei dem zerbrochenen Gegenstand um ein wertvolles Geschenk handelt. Dann ist dieser Gegenstand Symbol für Beziehungen und Träger von Erinnerungen und Geschichten. Es zerbricht mehr als nur der konkrete Gegenstand.

 

Einmal kurz nicht aufgepasst, ein ungeschickt und unbedacht formuliertes Wort – und klirr! Die Beziehung zu wertvollen Menschen hat einen tiefen Sprung, ist im schlimmsten Fall zu Scherben zerbrochen, sie trägt nicht mehr wie früher. Vertrauen ist gestört oder gar zerstört.

 

Menschliches Leben ist zerbrechlich und darin höchst gefährdet. Immer wieder geht etwas kaputt, zerspringt etwas in tausend Scherben.

Wie nun damit umgehen? Unter den Teppich kehren? Dann sieht zwar niemand den entstandenen Schaden, und ich kann ihn auch gut aus meinem Sichtfeld ausblenden. Aber spätestens wenn jemand über den Teppich läuft – um im Bild zu bleiben –, werden die Scherben bemerkt. Und sie zerfallen in viele kleine Stücke, die sich dann gar nicht mehr reparieren lassen.

Heimlich wieder notdürftig reparieren?

Die Schuld auf andere schieben, auf die „äußeren Umstände“?  Das ist schon möglich, aber es ersetzt nicht die Sorge darum, dass Zerbrochenes wieder heil werden kann.

 

In Japan gibt es eine Technik, die zerbrochenes Geschirr auf eindrückliche Weise repariert: Kintsugi. Die einzelnen Scherben werden mit einem speziellen Lack wieder miteinander verbunden. Die so entstandenen Nähte, die wie Narben erscheinen, werden mit Gold bemalt. Das Besondere bei dieser Technik ist, dass sie die Bruchstellen nicht kaschiert, sondern sie hervorhebt – und veredelt!

Diese Vorstellung lässt sich gut auf den Umgang mit Schuld und Versagen übertragen: Die Bruchstellen des Lebens gerade nicht kaschieren, sondern offen und ehrlich zu ihnen stehen – im Wissen darum, dass sie uns wertvoll machen. Wie wäre es, sich Gott als Kintsugi-Meister des eigenen Lebens vorstellen? An Ostern hat er doch seine Kunst der Welt vorgeführt: Der Auferstandene trägt die Wundmale an seinem Leib. Er kaschiert sie nicht sondern er zeigt sie. Sie gehören zu ihm. Auferstehung heilt und veredelt den Zerbrochenen. Seine Auferstehung heilt und veredelt alles Zerbrochene. In jedem Gefäß, das mit goldenen Nähten wieder heil gemacht wurde, lässt sich der tiefste Kern des christlichen Glaubens entdecken: Keine Dunkelheit, die nicht doch von Licht erhellt wird. Kein Grab, in dem nicht neues Leben zum Vorschein kommt. Kein Scheitern, in dem nicht schon der Kern für einen Neubeginn liegt.

In Jesus Christus wird diese Botschaft greifbar. Durch sein Wort und sein heilendes Handeln werden aus gebrochenen Menschen – Sünder, Zöllner, Aussätzige, Kranke – Personen voller Hoffnung, die befreit ins Leben aufbrechen.

 

Doch dafür ist auch der eigene Einsatz notwendig: Die Scherben wahrzunehmen und sie zu sortieren, also sich bewusst machen, wo etwas schief gelaufen, wo etwas zerbrochen ist. Die Scherben sortieren, die einzelnen Teile an die richtige Stelle platzieren, Ordnung in die Angelegenheit bringen, also das betroffene Gegenüber um Verzeihung bitten und versuchen, den entstandenen Schaden zu beheben.  

Das Zerbrochene  Gott hinhalten, damit er es heilt und vollendet – besonders dann, wenn Versöhnung in dieser Welt nicht mehr möglich ist. Ja, so manche Scherbe steht auch für Belastungen. Diese dürfen auch zurückbleiben. So wie der Kintsugi-Meister fehlende Scherben nachgebildet und an entsprechender Stelle einsetzt, so vollendet Gott auch das, was fehlt.

Die vergoldeten Narben zeigen, dass Vergeben und Verzeihen nicht Vergessen bedeutet. Aber das Versöhnte hat die Farbe von Gold und macht den Menschen wertvoll.

 

Frieden mit anderen Menschen, mit mir selbst und mit Gott zu schließen ist etwas ganz Kostbares!

 

Gott schenkt Neuanfang. Er ist der Arzt unseres Lebens, er heilt die Brüche im Lebensgefüge und macht uns dadurch noch wertvoller. Halten wir ihm hin, was der Heilung bedarf.

 

 

 

Impulsfragen zur Gewissenserforschung

 

Gott ermutigt uns, mit dem Unvollendeten, mit dem Nicht-Perfekten, mit den Verletzungen unseres Lebens zu ihm zu kommen. Halten wir inne um wahrzunehmen und anzunehmen, was im Leben brüchig geworden ist und vertrauen es Gott an.

 

In die Brüche gegangen

·         Was ist bei mir selbst zu Bruch gegangen?

·         Wo entdecke ich – vielleicht auch in der Rückschau auf mein Leben – Scherben?

·         Was davon habe ich selbst kaputt gemacht?

·         Welche Menschen habe ich verletzt?

 

·         Was davon war ohne und was war mit Absicht?