Der vierte Fastensonntag trägt den lateinischen Namen "Laetare", was übersetzt "Freue dich" bedeutet. Die Mitte der Fastenzeit ist bereits überschritten und Ostern kommt näher. Wir dürfen uns also freuen und zuversichtlich sein!

 

In vielen Pfarren werden am 4. Fastensonntag Lebkuchenherzen verkauft (außer heuer), um einander Freude zu bereiten. Deshalb wird dieser Sonntag auch „Liebstatt-Sonntag“ oder „Herzerlsonntag“ genannt.

 

 

Einige Verse aus den Bibelstellen vom 4. Fastensonntag

 

Lesung aus dem ersten Buch Samuel

Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht.

Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,

der Herr aber sieht das Herz.   1 Samuel 16,7

 

Evangelium – Johannes 9,1-41

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern?

Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Dann spuckte Jesus auf die Erde und machte mit dem Speichel einen Teig, den er dem Blinden auf die Augen strich und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach. Als der Mann zurückkam, konnte er sehen.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus ihm die Augen geöffnet hatte. Da sagten einige Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.

Als Jesus den Geheilten wieder traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete er ihm: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?

Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube Herr!

 

Gedanken von Pfarrer em. Johann Zauner, Naarn

 

Der 4. Fastensonntag wird auch „Laetare-Sonntag“ genannt nach den lateinischen Worten des Eingangsliedes: Laetare - Freue dich, Jerusalem. Wir sollen uns freuen, dass die Hälfte der Fastenzeit bereits erreicht und Ostern ein Stück näher gekommen ist.

In vielen Orten wird dieser Sonntag auch als “Liebstattsonntag“ gefeiert, es werden von Frauen schön verzierte Lebkuchenherzen angeboten, die man weiter schenken soll, um jemandem die Liebe abzustatten, ein Zeichen der Liebe, der Anerkennung und des Dankes zu setzen.

 

All das fällt heuer aus, durch die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus sind alle Gottesdienste von oberster Stelle abgesagt, jeder ist eingeladen, persönlich den Sonntag zu feiern entweder mit einer Andacht in der Familie oder  im Radio (ORF 2 oder Radio Maria) oder im Fernsehen (ZDF 9,30 Uhr)

 

Das Sonntagsevangelium ist diesmal eine lange, aber sehr spannende Geschichte (Joh. 9, 1-41) Jesus schenkt einem Mann, der blind auf die Welt kam, das Augenlicht. Zu Beginn fragen gleich die Jünger: Wer ist denn schuld, dass er  blind geboren wurde? Seine Eltern? Der Blinde selber?

Eine Frage, die auch wir immer wieder stellen: Wer ist schuld...an der Klimakrise....an den Kriegen und Spannungen in der Welt....an der rasanten Ausbreitung des Coronavirus...usw. Und sofort finden wir auch Schuldige, uns selber ausgenommen.

Jesus gibt zur Antwort: Er ist blind, weil an ihm die Macht Gottes sichtbar werden soll.

Will Jesus auch uns damit sagen:  Erkennt in den Problemen dieser Welt ein Zeichen Gottes, dass  manches schief läuft, ihr nicht die Herren dieser Welt seid, die nach eigenem Gutdünken schalten und walten können, sondern verantwortlich sind der Schöpfung, den Mitmenschen und Gott gegenüber?

 

Spannend ist dann auch in dieser Geschichte die Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Diese behaupten zwar alles zu verstehen und deuten zu können, sind aber blind für die Zeichen die Gott gibt. Das Nichtwissen, die Offenheit, nicht von vornherein festgelegt zu sein, macht empfänglich für Gottes Wirken.

 

Am Ende begegnet Jesus dem Geheilten und fragt ihn: Glaubst du an den Menschensohn? Mit dem Geheilten sind auch wir eingeladen zu bekennen: Jesus ist  es, der Blinde sehend macht, Durstige tränkt, Ernüchterte belebt, Verirrte leitet. Er ist das Licht, das lebendige Wasser, der Weinstock, der Weg. Er ist das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.

 

Gehen wir in die kommenden Tage mit der Zuversicht, die in einem Lied aus Taizé uns zugesagt ist: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht!“

 

 

Bittgebet:

Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmittel suchen

 

für alle, die mit den Augen des Herzens sehen,

für alle, die ihr Herz für Notleidende öffnen,

für uns selbst in den ganz persönlichen Anliegen


dass Gott uns an sein Herz nimmt und segnet.

 

 

Vater unser im Himmel….